23 October 2026

KI und Robotik: Wie sich das Handwerk verändert

KI und Robotik: Wie sich das Handwerk verändert

KI und Robotik: Wie sich das Handwerk verändert

Erlangen | Noch lohnt sich der Einsatz von KI und Robotik nicht für jeden Handwerksbetrieb. Doch neue Anwendungen zeigen, welches Potenzial in den Technologien steckt. Wer sich frühzeitig mit ihren Möglichkeiten und Grenzen auseinandersetzt, kann Entwicklungen besser einschätzen und Chancen für den eigenen Betrieb erkennen.

Roboter schweißen Metall, automatisierte Anlagen schneiden Holz, digitale Systeme helfen dabei, Verwaltungsaufgaben zu erledigen. An der Berufsschule Erlangen arbeiten Auszubildende im Maler- und Lackiererhandwerk mit einem Farb- und Lackierroboter.

Die Beispiele zeigen: Auch im Handwerk können technische Lösungen bereits einzelne Arbeitsschritte übernehmen. Für viele Handwerksbetriebe sind solche Systeme allerdings noch keine praktikable Lösung. Die Anschaffung ist häufig teuer, und der Nutzen muss zu den jeweiligen Arbeitsabläufen passen.

„Für die meisten Betriebe ist der Mehrwert von KI-Systemen noch nicht so deutlich erkennbar, dass es sich für sie lohnen würde, ihre Produktionsabläufe darauf auszurichten.“, sagt Lukas Werner, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf. Auch technisch gebe es noch Grenzen. „Was die Fertigungsebene angeht, sind die Technologien in den meisten Fällen noch nicht weit genug fortgeschritten, um im Alltag eingesetzt ren zu können. Oder die Unternehmen sind zu klein, um sie effektiv zu nutzen.“

Neue Anwendungen zeigen Potenzial

Welche Ansätze sich für das Handwerk abzeichnen, zeigte die erste „KInote“ im Historischen Rathaussaal in Nürnberg. Dort stellte das Nürnberger Gebäude- und Anlagentechnikunternehmen Brochier verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für KI, Robotik und Automatisierung vor. Lukas Werner war Gast der Veranstaltung.

Ein Beispiel waren Sensorboxen, die den Zustand technischer Anlagen überwachen und Hinweise darauf geben können, wann beispielsweise eine Heizungsanlage gewartet werden sollte – und zwar möglichst, bevor es zu einem ungeplanten Ausfall kommt. Solche Anwendungen werden als „Predictive Maintenance“ oder prädiktive Instandhaltung bezeichnet.

Daneben präsentierte Brochier einen generativen KI-Assistenten, der Beschäftigte bei Routineaufgaben unterstützen und Arbeitsprozesse beschleunigen soll.

Lukas Werner sieht darin zwei Bereiche, in denen KI besonders sinnvoll eingesetzt werden kann. Mithilfe von maschinellem Lernen lassen sich Daten erfassen und auswerten, um daraus Empfehlungen abzuleiten. Zudem kann KI auf Wissensdatenbanken zugreifen und beispielsweise als Chatbot Informationen bereitstellen.

Wie verändert sich die Arbeit im Handwerk?

Mit der Weiterentwicklung solcher Systeme dürfte sich auch die Arbeit im Handwerk grundlegend verändern. Wie weit diese Entwicklung gehen könnte, veranschaulichten Vertreter von Brochier mit einem Zukunftsszenario: Im Jahr 2050 könnten Handwerkerinnen und Handwerker vor allem automatisierte Prozesse koordinieren, während manuelle Tätigkeiten einen kleineren Teil der Arbeit ausmachen.

Auch Lukas Werner hält eine solche Entwicklung mit Blick auf die industrielle Entwicklung für denkbar. Sie stelle das Handwerk vor eine interessante Herausforderung: Es müsse sich frühzeitig positionieren und überlegen, welche Rolle es in einer zunehmend automatisierten Arbeitswelt einnehmen wolle.

Doch mehr Automatisierung bedeutet nicht, dass handwerkliches Können an Bedeutung verlieren muss. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft betont: „Wir dürfen nicht die Handwerkskunst vernachlässigen, nur weil bestimmte Vorgänge automatisiert werden.“ Entscheidend wird daher auch sein, welche Aufgaben Maschinen übernehmen können und wo menschliche Erfahrung, Fachwissen und präzise Handarbeit weiterhin gefragt sind.

Die Region bietet Anknüpfungspunkte

Auch regional gibt es gute Voraussetzungen, sich mit dem technologischen Wandel auseinanderzusetzen. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) zählt zu den wichtigsten Forschungsinstitutionen der Region und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Künstlicher Intelligenz. Im Rahmen der bayerischen KI-Offensive wird zudem die KI-Infrastruktur am Campus ausgebaut.

Zugleich arbeiten Unternehmen in der Region an technischen Anwendungen, wie das Beispiel Brochier zeigt. Für Lukas Werner liegt darin eine Chance: „Wir sollten noch stärker in den Diskurs mit Institutionen eintreten, die im Bereich KI und Robotik forschen und entwickeln.“ Denn um neue Technologien einsatzbereit zu machen, seien auch handwerkliche Fachkräfte nötig, die sie installieren, warten und instand halten.

Für die Betriebe kommt es deshalb darauf an, die Entwicklung im Blick zu behalten und frühzeitig zu prüfen, welche Anwendungen zum eigenen Unternehmen passen. Lukas Werner bringt die Herausforderung auf den Punkt: „Der technologische Wandel wird auf das Handwerk treffen und disruptive Änderungen mit sich bringen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, damit wir darauf vorbereitet sind.“

Quelle: KHS | Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf

Video/Bilder: KHS und iStock

Text: Kauri Spirit