29 September 2026

Zwischen Tradition und Innovation: 100 Tage im Amt

Zwischen Tradition und Innovation: 100 Tage im Amt Lukas Werner

Zwischen Tradition und Innovation: 100 Tage im Amt

Erlangen | Was bewegt die Handwerksbetriebe in der Region? Was brauchen sie für die Zukunft? Und welchen Beitrag kann die Kreishandwerkerschaft dazu leisten? Mit diesen Fragen ist Lukas Werner in seine ersten 100 Tage als Geschäftsführer gegangen. Viele Gespräche mit Ehrenamtlichen, Betrieben, Politik und weiteren Partnern haben dabei eines gezeigt: Das Handwerk ist traditionsbewusst und zugleich technologisch sehr innovativ – und seine Stärke liegt vor allem in den Menschen, die es gestalten.

Die ersten 100 Tage im Amt waren für Lukas Werner vor allem eine Zeit des Zuhörens. „Ich habe sehr viele Menschen getroffen und bin dankbar für jede Begegnung“, blickt er zurück. Seit seinem Amtsantritt als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf (KHS) am 1. Juni 2026 hat er unzählige Gespräche mit Obermeistern, Vorstandsmitgliedern, Vertretern der Innungen ebenso wie mit Repräsentanten der Kommunen und Landkreise und weiteren Partnern des Handwerks geführt.

Was er aus all diesen Gesprächen mitgenommen hat: Das Handwerk ist mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Es steht für Tradition und Innovation, für Verantwortung und Qualität. Vor allem aber prägt handwerkliche Arbeit ganz unmittelbar den Alltag und die Lebensqualität, sei es durch die Versorgung mit frischen Lebensmitteln, durch den Bau und die Instandhaltung von Häusern und Straßen oder durch die Installation und Wartung von Heizungs- und Photovoltaikanlagen. Auch die Energiewende wäre ohne das Handwerk gar nicht denkbar.

KI und Robotik bieten dem Handwerk große Chancen

Diese wichtige Rolle kann das Handwerk nur spielen, wenn es offen für neue Entwicklungen bleibt. Wie zukunftsfähig das Handwerk ist, zeigt sich auch beim Thema KI und Robotik. Hier schätzt Lukas Werner die Chancen als hoch ein: „Zunächst einmal braucht es Handwerker, um das überhaupt umzusetzen. Denn sie bauen die Roboter.“

Zugleich können im Handwerk bestimmte einfache Tätigkeiten automatisiert werden, etwa durch Schweißroboter im Metallbau oder automatisierte Zuschnittsysteme im Holzhandwerk. „Außerdem kann die Verwaltung, mit der sich viele Betriebe plagen, durch KI vereinfacht werden“, betont der KHS-Geschäftsführer.

Dass die Mitgliedsbetriebe der KHS Erlangen-Hersbruck-Lauf dabei auf ein innovationsstarkes Umfeld treffen, ist ein weiterer Vorteil: Die Region Erlangen-Nürnberg zählt zu den wichtigen Zentren für Robotik, KI und Automatisierung. An der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) wird bereits seit Jahrzehnten an Künstlicher Intelligenz geforscht. Im Zuge der KI-Offensive des Freistaats Bayern entsteht dort nach Angaben der FAU gerade die größte KI-Rechnerinfrastruktur in der deutschen Hochschullandschaft. Außerdem arbeitet die Universität in diesem Forschungsfeld eng mit dem Weltkonzern Siemens zusammen.

Das Ehrenamt als zentrale Säule des Handwerks

Doch so modern und technologisch fortschrittlich das Handwerk ist, seine Stärke beruht auf Menschen, die Verantwortung übernehmen – im Betrieb ebenso wie im Ehrenamt. Besonders ausgeprägt ist diese Bereitschaft in der handwerklichen Selbstverwaltung. Ob Obermeister, Kreishandwerksmeister, Lehrlingswarte oder Mitglieder der Prüfungs- und Gesellenausschüsse: All diese wichtigen Ämter werden ehrenamtlich ausgeübt.

Dieses Engagement steht zugleich für den besonderen Mehrwert, den die Innungen ihren Mitgliedsbetrieben bieten. Die Kreishandwerkerschaft und die angeschlossenen Innungen fungieren als Interessenvertretung der Betriebe, sie erzeugen Gemeinschaft, vermitteln Wissen, fördern den Erfahrungsaustausch und reduzieren Kosten für den einzelnen Betrieb.

Entscheidend für die Zukunft des Handwerks ist die Ausbildung. Seit dem 1. September läuft das neue Ausbildungsjahr. Wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) im Juli 2026 bekanntgab, ist zwischen Januar und Juni zum vierten Mal in Folge bundesweit die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen – obwohl es aufgrund der demografischen Entwicklung immer weniger junge Menschen gibt.

Ausbildung im Handwerk kann Alternative zum Studium sein

Die Attraktivität einer handwerklichen Ausbildung liegt für Lukas Werner auf der Hand: „Man arbeitet mit den Händen und sieht, was man schafft. Diesen Effekt hat man in kaum einem anderen Beruf im selben Ausmaß.“ Dies erzeugt Selbstwirksamkeit und macht die Ausbildung im Handwerk zu einer interessanten Alternative zu anderen Berufen, auch dem Studium.

Denn Deutschlands duales Ausbildungssystem mit dem regelmäßigen Wechsel zwischen Berufsschule und Betrieb schafft eine ideale Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Deswegen genießt es international einen hervorragenden Ruf und hat in anderen Ländern bereits Nachahmer gefunden. Auch die weiteren Bildungswege stehen offen: „Wer sich nach erfolgreicher Ausbildung zum Handwerksmeister weiterqualifiziert, kann danach an die Universität gehen und studieren.“

Auch bei der Ausbildung zeigen sich die Vorzüge der handwerklichen Selbstverwaltung besonders deutlich. Die hohe Qualität der Ausbildung im Handwerk kann nur dank dem Zusammenspiel vieler verschiedener Akteure garantiert werden: Betriebe, Berufsschulen, Innungen, Prüfungsausschüsse.

Wir machen unsere IT-Infrastruktur zukunftsfähig

Dieses Zusammenspiel funktioniert nur, wenn auch die Strukturen dahinter mit der Zeit gehen. Wer von seinen Mitgliedsbetrieben die Bereitschaft zu Innovation und Veränderung erwartet, muss sich auch selbst zukunftsfähig aufstellen. Deshalb modernisieren wir Schritt für Schritt die IT-Infrastruktur in der Geschäftsstelle der KHS in Erlangen. „Dabei haben wir bereits die Telefonanlage erneuert, was ein flexibleres und ortsunabhängiges Arbeiten ermöglicht“, sagt Lukas Werner. In den kommenden Monaten sind viele weitere Schritte geplant, die unter anderem den Austausch zwischen den ehrenamtlichen Kräften erleichtern sollen.

Die ersten 100 Tage im Amt haben dem neuen Geschäftsführer vor allem eines gezeigt: Die Stärke des Handwerks liegt in der Verbindung von Können und Innovation, unternehmerischer Verantwortung und ehrenamtlichem Engagement. Die Aufgabe der KHS sieht Lukas Werner darin, diese Stärke sichtbar zu machen, die Mitgliedsbetriebe zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen die Zukunft des Handwerks in der Region zu gestalten. Denn ein starkes Handwerk bedeutet nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern auch Lebensqualität und Versorgungssicherheit vor Ort.

Quelle: KHS | Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf

Video/Bilder: Kauri Spirit Marketer und KHS

Text: Kauri Spirit