16 July 2026

Handwerker-Frühschoppen: Dialog, Zuversicht und Judith Warmuth ist „Handwerkerin des Jahres“

Handwerker-Frühschoppen: Dialog, Zuversicht und Judith Warmuth ist „Handwerkerin des Jahres“

Handwerker-Frühschoppen: Dialog, Zuversicht und Judith Warmuth ist „Handwerkerin des Jahres“

Erlangen | Mit rund 120 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Handwerk hat die Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf am Sonntag, 12. Juli, ihren jährlichen Handwerker-Frühschoppen gefeiert. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt sich, wie wichtig zwanglose Gespräche in geselliger Runde für den konstruktiven Dialog sind. Was ebenso Zuversicht gibt, ist die diesjährige Auszeichnung zur „Handwerkerin des Jahres“: Die Preisträgerin, Friseurmeisterin Judith Warmuth, steht mit ihrem Erlanger Salon für solide Ausbildung, flexible Arbeitszeiten und soziale Verantwortung.

Für das Handwerk in Erlangen und Umgebung ist der Handwerker-Frühschoppen „einer der wichtigsten Termine im Jahr“, wie Kreishandwerksmeister Markus Protze in seiner Begrüßungsansprache betonte: „Es geht um Austausch auf Augenhöhe.“

Jedes Jahr im Juli lädt die Kreishandwerkerschaft (KHS) Erlangen-Hersbruck-Lauf Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu ihrem Frühschoppen ein. Am 12. Juli folgten etwa 120 Gäste der Einladung der KHS, darunter Erlangens neuer Oberbürgermeister Jörg Volleth (CSU) und Bürgermeisterin Eva Linhart (Grüne).

Etliche Vertreter aus den unterschiedlichen Fraktionen der Kommunalparlamente von Stadt und Landkreisen nahmen Teil. „Es freut uns, dass die Kommunal- und Landespolitik so zahlreich vertreten war“, bilanziert Lukas Werner, neuer Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Die Gesprächsatmosphäre habe ich als sehr positiv wahrgenommen, alle waren sehr offen.“

Innenminister Joachim Herrmann: „Ich spüre Zuversicht“

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann ist ein regelmäßiger Gast der Veranstaltung. „Der Handwerker-Frühschoppen ist eine hervorragende Gelegenheit, mit vielen Handwerkerinnen und Handwerkern ins Gespräch zu kommen“, sagte der Minister. „Es ergeben sich immer wieder wichtige Fragen zu politischen Themen und persönlichen Anliegen, zum Beispiel im Bereich Bürokratie. Trotz der nicht einfachen wirtschaftlichen Lage spüre ich hier beim Handwerker-Frühschoppen eine große Zuversicht.“

Bei gutem Essen und Live-Musik sprach man zwanglos darüber, wo dem Handwerk gerade „der Schuh drückt“, wie Kreishandwerksmeister Markus Protze sagte. Er nahm die neue Erlanger Stadtregierung aus CSU und Grünen in die Pflicht und verdeutlichte, dass eine Erhöhung der Gewerbesteuer der lokalen Wirtschaft schaden und notwendige Investitionen behindern würde.

Die lokale Haushaltskrise dürfe nicht dazu führen, Investitionen aufzuschieben, die für die Lebensqualität in Erlangen entscheidend seien. „Andernfalls könnten Betriebe ins Umland abwandern, wenn dort bessere Bedingungen herrschen“, warnte der Kreishandwerksmeister.

Das Handwerk, betonte Markus Protze, sei ein „Garant für Lebensqualität“: „Wir sorgen dafür, dass die kaputte Heizung auch am Wochenende repariert wird. Wir sorgen dafür, dass das Dach nach einem Sturm schnell wieder gedeckt wird. Wir sorgen dafür, dass es jeden Morgen frische Brötchen gibt.“

OB Jörg Volleth: „Gewerbesteuer-Erhöhung ist ein No-Go“

Oberbürgermeister Jörg Volleth bekräftigte beim Frühschoppen, dass eine Erhöhung der Gewerbesteuer für ihn ein „No-Go“ sei: „Darin bin ich mir mit Herrn Protze vollkommen einig. Die Gewerbesteuer zu erhöhen, wäre Gift für die Konjunktur. Das wäre verheerend, das gilt es zu verhindern.“

Die Belange des Handwerks liegen ihm sehr am Herzen, sagte der OB weiter. Erlangen müsse Bürokratie abbauen, wirtschaftsfreundlich sein, neue Gewerbegebiete erschließen. „Auch das Thema Parken, die Erreichbarkeit der Innenstadt, ist gerade für die Handwerkerinnen und Handwerker besonders wichtig.“

Zugleich ist die kommunale Haushaltslage äußerst schwierig, Erlangen muss dringend Schulden abbauen. „Manchmal müssen wir Maßnahmen ergreifen, mit denen wir uns selbst wehtun“, gab Jörg Volleth zu. Gerade um die Gratwanderung zwischen Haushaltsdisziplin und Stärkung der lokalen Wirtschaft zu meistern, seien Veranstaltungen wie der Handwerker-Frühschoppen für den Austausch so wichtig.

„Wir bauen die überbordende Bürokratie ab“  

Auch Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Mittelfranken, sieht das Handwerk vor großen Herausforderungen: „Da ist zum einen die überbordende Bürokratie, die wir versuchen abzubauen.“ Als CSU-Landtagsabgeordneter arbeitet Thomas Pirner eng mit seinem Fraktionskollegen Walter Nussel zusammen, der Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau ist.

„Wir haben gerade das fünfte Modernisierungsgesetz auf den Weg gebracht, das zur Entlastung dienen soll“, berichtete Thomas Pirner. „Wir haben über 800 Vorschriften abgeschafft, aber was über Jahre und Jahrzehnte an Bürokratie aufgebaut wurde, kann man nicht innerhalb eines Jahres abbauen.“

Schwierig sei auch die Nachwuchslage, gerade im Nahrungsmittelhandwerk, sagte der HWK-Präsident: Bäcker und Metzger täten sich besonders schwer, geeignete Auszubildende zu finden.

Obermeisterin Judith Warmuth ist Handwerkerin des Jahres

Doch beim Handwerker-Frühschoppen wird auch über das gesprochen, was Zuversicht gibt. Denn das Handwerk ist innovativ, kreativ und wird seiner sozialen Verantwortung gerecht. Mit dem Preis „Handwerker/-in des Jahres“ ehren die KHS Erlangen-Hersbruck-Lauf und die VR TeilhaberBank Metropolregion Nürnberg Handwerker, die für diese Werte stehen. Der Preis wird immer beim Handwerker-Frühschoppen vergeben.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf Judith Warmuth, Friseurmeisterin und Obermeisterin der Friseur-Innung Erlangen. Johannes Hofmann von der VR TeilhaberBank überreichte ihr den Preis sowie einen Scheck über 1.000€. In ihrem Salon Judith Warmuth Friseure in Erlangen verbinde sie herausragendes handwerkliches Können und Präzision mit Einfühlungsvermögen sowie sozialer Verantwortung, betonte Johannes Hofmann bei der Verleihung.

„Ausbildung wird in meinem Betrieb großgeschrieben", sagte Judith Warmuth nach der Preisverleihung. „Bekanntlich haben wir im Handwerk ein großes Problem mit Fachkräftemangel. Nur wenn man selbst die Verantwortung übernimmt und ausbildet, kann das besser werden. Ganz wichtig ist es mir außerdem, meinen Mitarbeiterinnen flexible Arbeitszeiten zu bieten, die mit familiären Verpflichtungen vereinbar sind."

Acht Friseurinnen arbeiten derzeit in Judith Warmuths Salon in der Nürnberger Straße. Dabei seien alle Arbeitszeitmodelle vertreten, sagt die Inhaberin – von der Minijobberin bis zur Vollzeitkraft.

Der Handwerker oder die Handwerkerin des Jahres soll sich durch Vorbildfunktion, Innovationsfähigkeit, Durchsetzungsstärke, Menschlichkeit und eine soziale Ausrichtung auszeichnen. Für den Preis bewirbt man sich nicht, sondern wird von anderen Betrieben, der KHS oder der VR TeilhaberBank nominiert. Judith Warmuth wusste vorher nichts von ihrer Nominierung – umso überraschter und erfreuter war sie, als sie den Preis entgegennehmen durfte.

Obermeisterin Judith Warmuth ist Handwerkerin des Jahres

Quelle: KHS | Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf

Video/Bilder: Kauri Spirit Marketer und KHS

Text: Kauri Spirit