Wertschätzung für Spitzenleistungen: Meisterempfang der Kreishandwerkerschaft würdigt Nachwuchs
Erlangen | Rund ein Dutzend junge Handwerksmeisterinnen und -meister haben beim Meisterempfang der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf eine kleine Anerkennung erhalten. Bei der Feierstunde im Konferenzsaal der Sparkasse waren sich alle einig: Das Handwerk ist eine Wirtschaftsmacht. Es schafft bleibende Werte und steht für Vielfalt, Kreativität und Leidenschaft. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist es umso wichtiger, dass sich Handwerker stetig weiterbilden – und die Meisterprüfung hat es wahrlich in sich.
Die Meisterbriefe werden seit einigen Jahren in der Stadthalle Fürth verliehen – zentral, für das gesamte Gebiet der Handwerkskammer (HWK) für Mittelfranken. Warum also leistet sich die Kreishandwerkerschaft (KHS) Erlangen-Hersbruck-Lauf einen eigenen Meisterempfang?
„Wir wollen Ihnen unsere persönliche Wertschätzung für Ihre hervorragenden Leistungen entgegenbringen“, sagte Kreishandwerksmeister Markus Protze in seinem Grußwort, an die Jungmeisterinnen und -meister gerichtet, die im Konferenzsaal der Sparkasse ihre Präsente erhielten. „Ihre Anstrengungen haben sich gelohnt.“
Denn ein Meistertitel im Handwerk bedeutet harte Arbeit. Ihn zu erwerben, ist mit „Büffeln und Lernen“ verbunden, wie HWK-Präsident Thomas Pirner in seiner Festrede betonte: „Viele machen den Meisterkurs in einer Abendschule und müssen währenddessen weiterhin im Betrieb 100 Prozent geben.“ Diese Zeit fehle für Erholung, Hobbys, Familie und Partnerschaft. „Es wird unglaublich viel verlangt“, sagte Thomas Pirner. „Aber das ist richtig so, denn der Titel des Handwerksmeisters muss etwas wert sein.“
Manche werden für die Meisterprüfung freigestellt
Wer sich berufsbegleitend auf seine Meisterprüfung vorbereitet, braucht bis zu zweieinhalb Jahre. Jungmeister Tobias Weisel hat es in der Hälfte der Zeit geschafft: Von Januar 2024 bis einschließlich März 2025 lernte er für seine Prüfung zum Maurer- und Betonbauermeister vor und war währenddessen freigestellt. „Es war nicht ganz ohne“, erzählt der 27-Jährige, der in Maurerkluft zum Meisterempfang gekommen ist, über seine Prüfung.
Doch das Handwerk ist für ihn eine erfüllende Tätigkeit: „An meinem Beruf gibt es viel Schönes – vor allem, dass man mit seinen Händen etwas schafft, das länger bleibt. Ich baue etwas und weiß, dass es in 100 oder 150 Jahren noch steht.“ Inzwischen ist Tobias Weisel bei Heinlein Bau und Raum in Erlangen in der Bauleitung und -planung tätig. „Da arbeitet man eher mit dem Kopf als mit den Händen.“
„Sparkasse und Handwerk sind natürliche Partner“
Etwa ein Dutzend Jungmeisterinnen und -meister unterschiedlichster Fachrichtungen sind zum Empfang in den Konferenzsaal der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach gekommen. Bereits zum zweiten Mal war die Sparkasse Gastgeberin des Meisterempfangs.
„Die Sparkasse und das Handwerk sind durch eine enge und traditionsreiche Partnerschaft verbunden“, sagte Michael Bleier, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach. „Beide sind fest in Region verankert, setzen sich für die wirtschaftliche Entwicklung ein, sind innovativ und schaffen die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft. Daher sind das Handwerk und die Sparkasse natürliche Partner.“
Auch die beim Meisterempfang anwesenden Politiker bekannten sich zum Handwerk. Als „einen der wichtigsten Bereiche der Grundversorgung“ bezeichnete es Walter Nussel, Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für Bürokratieabbau. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik betonte, Erlangen sei „auf dem Weg zur handwerks- und mittelstandsfreundlichen Stadt“. Dafür spreche, dass die umfassende Sanierung der Berufsschule derzeit das größte städtische Bauprojekt sei.
Wirtschaftsmacht des Handwerks: 5,6 Millionen Beschäftigte, 771 Milliarden Euro Umsatz
Wie gewaltig die Wirtschaftsmacht des deutschen Handwerks ist, verdeutlichte Rainer-Johannes Wolf, seit Juli 2025 Hauptgeschäftsführer der HWK für Mittelfranken, anhand einiger Zahlen: „5,6 Millionen Menschen in Deutschland arbeiten im Handwerk. Insgesamt haben die deutschen Handwerksbetriebe im vergangenen Jahr 771 Milliarden Euro erwirtschaftet.“
Natürlich stehe das Handwerk vor großen Herausforderungen, meinte der Hauptgeschäftsführer der HWK – eine davon sei der Fachkräftemangel. Doch die hervorragenden Leistungen der Jungmeisterinnen und -meister machten Hoffnung: „Diese jungen Menschen haben über lange Zeit viel geleistet – in ihrer Gesellenzeit und anschließend in der Meisterschule. Sie sind drangeblieben, haben richtig Gas gegeben und viel gelernt. Das gehört wertgeschätzt.“
Leidenschaft und Kreativität
Neben den Jungmeisterinnen und -meistern wurden auch Sieger im Leistungswettbewerb ausgezeichnet. Unter ihnen war Kathleen Merdian, Zweiradmechatronikerin in der Fachrichtung Motorradtechnik. Sie wurde Kammersiegerin und Drittplatzierte auf Landesebene.
„Leidenschaft und Kreativität“ verbinde sie mit ihrem Beruf, sagt Kathleen Merdian, die ihre Ausbildung im Betrieb Tino Voigt in Erlangen gemacht hat. Von ihrem Vater habe sie die Begeisterung für das Motorradfahren mitbekommen, erzählt sie: „Er hat mich immer mitgenommen. Und ich habe oft zugeschaut, wenn er an seinem Motorrad geschraubt hat.“
Inzwischen hat sie das Schrauben zu ihrem Beruf gemacht. Als Frau in der Motorradwerkstatt zu arbeiten, sei nichts Ungewöhnliches mehr: „Das wandelt sich – und die meisten Kunden nehmen es sehr positiv auf, dass eine Frau am Motorrad schraubt.“
Quelle: KHS | Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf
Video/Bilder: Kauri Spirit Marketer
Text: Kauri Spirit