Ausbildungsbörse: Berufsvielfalt hautnah erleben
Erlangen/Herzogenaurach | Für die nächsten Schulabgänger war die 23. Ausbildungsbörse Herzogenaurach wieder ein Muss-Termin. Es lag nicht nur an dem schönen Wetter mit strahlendem Sonnenschein, dass Schülerinnen und Eltern vor den Ständen der Innungen der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf für Trauben sorgte. Entscheidend war vielmehr die praxisnahe Information von Ausbildungsbetrieben und ihren Azubis, die aus erster Hand über ihre Ausbildung berichteten. „Wir haben praktisch mit rund 130 Handwerksberufen und handwerksnahen Berufen für jeder Schülerin und jeden Schüler das richtige Angebot“, ist sich der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Wolfgang Mevenkamp, sicher. „Davon waren viele Berufsbilder hautnah und zum Selbst-Handanlegen zu erleben.“
Die Handwerksbetriebe räumten auch mit Vorurteilen auf. Typische Berufe für Jungens und Mädchen gibt es zwar in den Köpfen immer noch. Aber heutzutage kann jeder nach seinen Neigungen seine Laufbahn frei auswählen. „Die Perspektiven für eine Wunschausbildung sind gut“, betont Wolfgang Mevenkamp. „Wir konnten im mittelfränkischen Handwerk im letzten Jahr gegen den allgemeinen Trend bei den neuen Verträgen zulegen.“ Das unterstreiche auch das wachsende Vertrauen in die Handwerksberufe.
Mit Händen und Köpfchen arbeiten
Egal bei welcher Innung man sich in Herzogenaurach ein Bild machen wollte. „Überall wird mit Händen und Köpfen gearbeitet“, hebt Wolfgang Mevenkamp hervor. Das gilt für den Bau genauso wie für angehende Bäcker und Fleischer oder Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Kfz, Maler- und Lackierer und natürlich auch für den Metallbau. Um sein eigenes Geschick auszuprobieren, konnten die neugierigen Schüler beispielsweise Herzen aus Metallrohren biegen oder auf einem Amboss Stahlträger biegen, Löcher bohren oder Nägel mit gezielten Schlägen im Holz versenken. Weitere Berufsbilder präsentierten sich mit einem Schweißsimulator oder einer „VR-Leberkäsbrille“, bei der Jung und Alt virtuell in einer Metzgerei einen Leberkäs herstellen konnten.
Künstliche Intelligenz bleibt Helferlein
Solche Angebote sind durch den Vormarsch der Digitalität und der Künstlichen Intelligenz (KI) möglich. Diese Technik hat schon längst im Handwerk Einzug gehalten. Selbst computergesteuerte Gärprozesse in Brauereinen oder eine Teigführung in Bäckereien sind heutzutage längst keine Seltenheit mehr. Auch auf den Baustellen ist das Tablett nicht mehr wegzudenken „Die Digitalisierung verändert die Arbeit, aber sie wird keine Jobs ersetzen“, unterstreicht Wolfgang Mevenkamp. „Am Ende ist immer der Mensch mit Köpfchen und Erfahrung zum Problemlösen gefragt.“ Es werde noch lange dauern, bis eine KI einen Rohrbruch reparieren, eine Solaranlage aufbauen und programmieren oder ein fränkische Bratwurst herstellen kann.
Grüne Berufe sind auch im Trend
Gerade etwa die sogenannten „Grüne Berufe“ gehören im Handwerk zu den großen Trendthemen rund um Klimaschutz und nachhaltigem Bauen. Zu diesen Berufswelten zählen die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, das Elektrohandwerk sowie Zimmerer und Dachdecker. Auch das Maler- und Lackiererhandwerk ist rund um energetischen Sanierungen und erneuerbare Energie gefragt. Sie kennen sich mit dem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus. Um in dieser Vielfalt das Richtige zu entdecken, lohnt sich immer ein – auch freiwilliges – Praktikum, um einen Betrieb, die künftigen Kollegen und die verschiedenen Arbeitsbereiche kennenzulernen.
Unabhängig von den grünen Berufen ist für den weiteren Lebensweg ein kurzer Draht zwischen Handwerk und Schulen hilfreich. So nutzen auch manche Lehrer die Ausbildungsbörse, um sich ganz konkret mit Betrieben zu vernetzen. Das erleichtert den Blick hinter die Kulissen und erlaubt es, die unglaubliche Vielfalt der Berufe zu entdecken.
Ausbilder im Handwerk gute Wegbegleiter
In den letzten 25 Jahren hat sich die Ausbildung gewandelt. Die Ausbildungsbetriebe müssen sich darauf einstellen, die ersten Schritte in die Arbeitswelt intensiver als früher zu begleiten. „Viele Schüler tun sich mit den Abläufen des Arbeitsleben nicht von Anfang an leicht“, weiß Wolfgang Mevenkamp von seinen Ausbildungsbetrieben. „Das hängt erfahrungsgemäß nicht von den Schulabschlüssen der junger Menschen ab.“ Auch Absolventen der Förderschulen schaffen gegebenenfalls mit guter Unterstützung den Weg zur erfolgreichen Gesellenprüfung. Ein ganz wichtiges Instrument ist die sogenannte Einstiegsqualifizierung, ein Langzeitpraktikum. Es mündet in den meisten Fällen in ein Berufsausbildung und kann auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. Auch Studienabbrecher finden immer wieder den Weg ins Handwerk, weil sie lieber etwas konkretes Schaffen wollen.
„Auch wenn es manchmal in Vergessenheit gerät, unsere duale Ausbildung ist fantastisch“, sagt Wolfgang Mevenkamp. Für ihn ist es das beste Ausbildungssystem der Welt. „Viele Länder würden das am liebsten sofort für sich kopieren.“
Quelle: KHS | Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf
Video/Bilder: Kauri Spirit Marketer
Text: Kauri Spirit